Solltet Ihr auch irgendwelche "Wahren-Geschichten" haben, so gebt Euer Wissen weiter und schickt Sie mir zu !!!

 

Der Mann vom Judetz (Kreis)

Es war im Spätherbst des Jahres 1988. Das "Ceaucescu-Regim" war dem Ende nah und versuchte noch, so zu sagen, den letzten Tropfen aus dem Volk heraus zu quetschen.

Ich hatte ein paar Weinreben im Hof, wie fast jedes schwäbische Haus, war gerade dabei Diese zu schneiden und für den Winter vor zu bereiten. Ich stand auf der Leiter, da sah ich auf der Straße einen Traktor mit Anhänger. Auf dem Anhänger befanden sich zwei Männer und ein paar Fässer. Plötzlich rief ein dritter Mann am Haustor: „Hallo!" Ich stieg herab von der Leiter und ging zum Tor. Da stand ein Herr mit weißem Hemd und Krawatte. Unter ´m Arm hatte Er eine Mappe. Er sagte: Er währe von der Kreisverwaltung (Judetz) und ich muss nun, da ich diese Weinreben besitze, 50 l Traubensaft an den Staat abgeben. Ich erklärte Ihm das der Traubensaft von diesem Jahr schon fast in Wein übergegangen ist, und, da ich sowieso nur ein paar Liter für mich habe, weil es ein schlechtes Jahr war, sei das unmöglich. Nach langen Diskussionen sagte ich Ihm dann: „Sie" sollten doch im nächsten Jahr kommen, die Reben hacken, binden, spritzen usw..., und im Herbst, könnten „Sie" die gewünschte Traubensaft auch ernten... Irgendwann, während der Diskussion, bemerkte der Mann das vor dem Haus zwei Walnussbäume stehen, welche jedoch einen Durchmesser von höchstens 10 cm, am Stamm, hatten. Sofort sagte Er das ich auch von diesen Bäumen jeweils 5 kg Walnüsse an den Staat abgeben muss. Ich erklärte Ihm das man von diesen Bäumen, vielleicht, in 5 Jahren diese Menge von Nüssen ernten kann... Irgendwann platzte mir der Kragen, wie es so heißt, und ich erzählte Ihm, als Beispiel, eine Geschichte welche ich von meinem Großvater gehört hatte; Als die Leute, damals, nach Russland verschleppt wurden und dort ankamen, hatten die Einheimischen nichts zu essen und waren am verhungern. Da fragte mein Großvater warum Sie nicht mal einen Baum pflanzen, Gemüse anbauen usw...? Die Menschen jedoch sagten: „Wenn wir 1 Baum pflanzen dann müssen wir schon von 2 Bäumen die Früchte an den Staat abgeben und deswegen tun wir das nicht. „So wird das hier auch noch enden", sagte ich zu dem hohen Herrn. Da war Er ganz empört, meinte ich müsse nun mit "schlimmen Konsequenzen" rechnen, und ging weiter zum nächsten Haus.

Ich hatte Angst, denn ich hatte da ziemlich viel gewagt, aber die "Konsequenzen" blieben aus.
Die armen Walnussbäume habe ich, im Frühjahr, bis auf den Stamm zurückgeschnitten, so dass es auch, für einige Zeit, keine Walnüsse mehr gab.

Helmuth Ganzer

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